Lastzug kommt von Fahrbahn ab und rammt Wohnhaus
WANGEN-RATZENRIED - Ein österreichischer Lastzug ist gestern beim
ehemaligen Bahnhof Ratzenried von der Fahrbahn abgekommen und in ein
Wohnhaus gerammt. Wie durch ein Wunder wurden eine Frau und ihr
16-jähriger Sohn in ihrer Wohnung nicht verletzt. Der Lkw-Fahrer
überlebte leicht verletzt. Von unserer Redakteurin Stefanie Wex Ein
Bild der Verwüstung bietet sich den Feuerwehrleuten, als sie gegen
12.20 Uhr an die Unfallstelle kommen. In dem Gebäude des ehemaligen
Bahnhofs steckt der Lastzug, der in das Haus gefahren ist. Am Steuer
der 49- jährige verletzte Fahrer, der auf dem Weg nach Leutkirch aus
ungeklärter Ursache von der Fahrbahn abgekommen war, ein
Verkehrszeichen gerammt, einen Baum gestreift, eine Bushaltestelle
überfahren hatte und direkt in das Wohnhaus hineingefahren war, in dem
drei Familien wohnen. Spielzeug ragt hervor Neben dem Haus steht
zitternd die offensichtlich unter Schock stehende Bewohnerin des
Erdgeschosses. Sie ist mit ihrem 16-jährigen Sohn in der Wohnung
gewesen, als ein lauter Knall die Wände erschütterte, wie sie
berichtet. Die verstörte Frau trug keine Verletzungen davon, was
angesichts der völlig zerstörten Frontseite des Hauses schier unmöglich
scheint. Spielsachen wie ein Kinderdreirad, ein Skateboard und auch ein
Schulranzen ragen aus den Bruchstücken der Mauer hervor, im kalten Wind
baumelt eine Lampe von der Decke, die früher einmal zu einem Zimmer
gehörte. Für die 25 Einsatzkräfte der Feuerwehr Wangen, das THW, das
DRK sowie die Schnelleinsatzgruppe stellt der Unfallort in vielfacher
Hinsicht eine Herausforderung dar, wie der stellvertretende
Feuerwehrkommandant Manfred Wolfrum und der stellvertretende
Kreisbrandmeister Walter Kuon der „Schwäbischen Zeitung“ berichten. An
der Stromleitung auf dem Dach und den zahlreichen Rissen im Mauerwerk
wird schnell deutlich, dass das Haus einsturzgefährdet sein könnte.
Deshalb gilt es, den Lastzug mit äußerster Vorsicht aus dem Gebäude zu
ziehen. Zuvor werden die Stromleitungen zum Gasthof auf der
gegenüberliegenden Straßenseite gekappt. Inzwischen ist Marco Hentrich,
Notfallmanager der Deutschen Bahn AG, am Unfallort eingetroffen. Da
sich neben dem einsturzgefährdeten Haus die Schienen befinden, wurde
der Zugverkehr für Stunden gestoppt. „Der Eurocity wurde über Kempten
umgeleitet“, berichtet Hentrich. Dreißig Minuten später trifft Statiker
Walter Schrey vom Büro Schrey und Weber in Wangen ein. Sein Urteil:
„Das Gebäude muss gesichert werden.“ Schrey hält es zwar für
unwahrscheinlich, dass das Gebäude komplett einstürzt, bespricht jedoch
die Sicherheitsmaßnahmen mit den Feuerwehrleuten. Dass das Gebäude noch
einmal bewohnbar sein wird, halten die Fachleute für unwahrscheinlich.
Um die Einwohner des Hauses kümmert sich auch Oberbürgermeister Michael
Lang. Er sorgt dafür, das das DRK warme Getränke für sie bringt. Und
noch mehr: Lang bringt die derzeit obdachlosen Ratzenrieder persönlich
in Wohnungen der Stadt, damit sie ein Dach über dem Kopf haben. Auch
der ehemalige Bahnhof gehört der Stadt. Wie es mit dem Gebäude
weitergeht, stand gestern nicht fest, bis in die Abendstunden hinein
wurde das Haus abgesichert. (Quelle SZ 071121)
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