Matratzen fahren nach Temeswar
ISNY/TEMESWAR - 14 Ehrenamtliche Helfer sind mit insgesamt 25 Tonnen Hilfsgütern und drei vollbepackten LKW am Wochenende von Isny aus nach Rumänien gestartet. Das Deutsche Rote Kreuz bringt vor allem Matratzen und Medikamente in die Krankenhäuser in Temeswar. Von unserer Redakteurin Stefanie Böck „Eine ungewöhnliche Hilfsaktion“, urteilt Dr. Wolfgang Dieing vom Deutschen Roten Kreuz, als er durch die Lagerräume im Gewerbehof geht und die Hilfsgüter betrachtet. Sonst bringen nur Großstädte soviel Material zusammen. Vor der Tür stehen zwei LKW, die mit Betten, Rollstühlen, Waschwannen, Kinderwagen, Lebensmitteln, Medikamenten und vielem mehr beladen werden. „Die Firma Bilgeri aus Benningen und die Firma Mösle aus Leutkirch stellen Fahrer und Transportfahrzeuge kostenlos zur Verfügung“, freut sich Dieing über ein Engagement, das beispielhaft für viele Menschen steht, die die Rumänienhilfe unterstützen. So „überwältigend“ sei die Resonanz auf den Hilfsaufruf heuer gewesen, berichtet Dieing, dass man sich am Samstag noch ganz kurzfristig entschlossen habe, einen dritten Lkw auf die große Fahrt zu schicken. Für diese „Blitzaktion“ habe man die Leutkircher Firma Mösle, die die Aktion nun mit zwei Sattelzügen unterstützt, gewinnen können. Ziele der diesjährigen Hilfsfahrt sind neben den Kliniken und einer Anstalt für psychisch Kranke auch die Armenküche in Temeswar und das Nachtlager von Pater Berno. „Der Salvatorianer gewährt dort heimatlosen Jugendlichen Unterschlupf“, erzählt Dieing, der schon zum 14. Mal nach Rumänien fährt. Dramatische Situation Für ihn ist die aktuelle Fahrt trotzdem etwas Besonderes: Seit 1. Januar gehöre Rumänien zur Europäischen Union – viel weniger Papierkrieg und Einreiseverordnungen habe es zu bewältigen gegeben. Umso dramatischer sei in diesem Jahr die wirtschaftliche Situation in Temeswar: Starke Regenfälle hätten ganze Landstriche überflutet. Eine darauffolgende, lang anhaltende Trockenperiode tat das Übrige: „Ein Drittel der Ernte fällt dieses Jahr aus“, sagt Dieing. Das ziehe massive Preissteigerungen nach sich. Deshalb habe das Deutsche Rote Kreuz auch Mehlspenden von hiesigen Mühlen im Gepäck. Nur 1200 Kilometer ist Temeswar von Isny im Allgäu entfernt. Seit 1990 fahren Helfer in die Stadt mit rund 400 000 Einwohnern und 15 Kliniken. Bei Dieings letztem Besuch war er von den Bedingungen in den Krankenhäusern schockiert: „Die Leute schlafen dort auf den nackten Eisenrosten“, sagt Dieing. Umsomehr freut es ihn, dass neben vielen Spenden von Privatpersonen auch das Krankenhaus in Tettnang, das Caritas Pflegeheim in Lindenberg und die Oberschwabenkliniken ausrangierte Matratzen und Betten für den Hilfstransport gespendet haben. In die drei 40-Tonner passen durch das Volumen dieses Mal nur 25 Tonnen Material. 3000 Euro Geldspenden sind beim Deutschen Roten Kreuz für Sprit und sonstige Transportkosten eingegangen. Die Begleiter, die heuer mit der Feuerwehr Kontakt aufnehmen und sich den Katasrophenschutz ansehen wollen, haben alle eine Woche Urlaub für die Hilfsaktion der DRKOrtsverbände Aitrach, Bad Wurzach, Leutkirch und Isny eingereicht. „Da muss ich nicht betteln“, freut sich Dieing über seine Mannschaft. „Ich wusste im März schon, wer im August mitfährt“, was die Dringlichkeit der Hilfsaktion deutlich macht.
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